Kathrin Fischers Buch ist im Kern eine Kapitalismuskritik. Ihr Argument: Der Neoliberalismus individualisiert gesellschaftliche Probleme, höhlt das Gemeinwohl aus und erklärt Erschöpfung zum persönlichen Versagen. Als Folge erstarkt eine Achtsamkeitsideologie, die genau diese Individualisierung bedient und politisches Engagement blockiert. Die Kritik gilt, so Fischer ausdrücklich, der Ideologie, nicht der Praxis. Das ist eine wichtige Einschränkung, die aber dann nicht konsequent durchgezogen wird.

Das Problem ist der Sündenbock. Warum eine Achtsamkeitsideologie? Eine Yoga-Ideologie, eine Jogging-Ideologie, eine Psychotherapie-Ideologie hätten dieselbe Funktion. Fischer hat eine spezifische Genealogie für Achtsamkeit gezeichnet: Romantik, 68er-Bewegung, MBSR. Aber diese Genealogie schliesst nicht aus, dass andere Praktiken mit ähnlicher Kommerzialisierungsgeschichte dieselbe ideologische Funktion erfüllen könnten.

Das zweite Problem ist die Unschärfe. Fischers Begriff «Achtsamkeit» umfasst gleichzeitig Meditationsretreats, Headspace-Abonnements und Weine mit «mindful»-Etikett. So weit gefasst, lässt er sich als Feindbild nicht widerlegen. Und trotz der erklärten Einschränkung auf die Ideologie schlägt die Kritik immer wieder auf die Praxis durch, nicht aus Bosheit, sondern weil ein unscharf definierter Gegenstand keine saubere Grenze zieht. Dazu kommt: Die behauptete Wirkungskette bleibt empirisch unbelegt. Selbst wenn Achtsamkeit nur zu mehr Resilienz führen würde, käme diese Resilienz politischem Engagement genauso zugute wie neoliberalem Leistungsdenken.

Fischer legt den Finger auf die richtigen Baustellen. Aber sie sucht sich einen Sündenbock, der durch seine Unschärfe jeder Kritik ausweicht, und trifft dabei mehr, als sie nötig wäre.

Wenn Ideologiekritik auf die Praxis durchschlägt

Fischer unterscheidet wie erwähnt zwischen Praxis und Ideologie: Erst wenn die Mikropraxis auf die Makroebene gehoben wird – wenn «Atem kontrollieren» zur Antwort auf alle Lebensprobleme erklärt wird, wer meditiert statt sich zu empören – entsteht die Ideologie, die sie kritisiert. Das klingt nach einer fairen Einschränkung. Wenn die Unterscheidung denn auch wirklich durchgehalten würde.

Bereits im ersten Kapitel beschreibt Fischer ihre eigene frühere Zen-Praxis: Sesshin, Zazen, Einzelgespräche mit einem Zen-Lehrer. Sie deutet diese Erfahrung über Michel Foucaults Konzept der «Technologien des Selbst» als Mechanismus der Selbstüberwachung und gesellschaftlichen Unterwerfung. Das ist keine Kritik an der Ideologie «Achtsamkeit», das ist eine Interpretation der Sitzmeditation selbst.

Fischer ist sich dieses Schritts bewusst. Am Beginn ihres Kritikkapitels spricht sie mit ihrer Qigong-Lehrerin über die ersten Entwürfe für ihr Buch. Die praxiserfahrene Lehrerin sagt ihr, was den Kern des Problems trifft: Achtsamkeit ohne die ethische Dimension der Heilsamkeit bedeute im Buddhismus nichts. Sie korrigiert Fischers Zen-Lektüre: «Jeder Tag ist ein guter Tag» bedeute nicht, dass es einem gut gehen müsse, sondern den Mut, auch Schmerz und Verlassenheit auszuhalten, ohne unmittelbar nach Lösungen zu greifen.

Fischer hört zu. Sie beschreibt die Szene, einschliesslich des Stachels, den der Vorwurf hinterlässt. Dann räumt sie ein, dass ein Unterschied zwischen tiefer und seichter Praxis existiert, um sogleich zu erklären, warum dieser Unterschied für ihre Analyse dennoch nicht relevant sei: Die Unterscheidung «verfehlt die generelle Funktion von Achtsamkeit in unserer Gesellschaft.»

Die stärkste Gegenstimme zu Fischers These sitzt ihr also direkt gegenüber, sagt genau das Richtige. Und wird methodisch beiseitegelegt. Das ist eine bewusste Entscheidung. Und sie hat einen Preis: Wer die Authentizitätsfrage ausklammert, kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was er eigentlich kritisiert – der ideologischen Funktion kommerzialisierter Wellness – und der Tradition selbst.

Damit zeigt sich auch das eigentliche Versäumnis. Samma sati – rechte Achtsamkeit im achtfachen Pfad – ist dem buddhistischen Verständnis nach kein Konzentrations- oder Entspannungswerkzeug. Der Mönch und Gelehrte Bhikkhu Anālayo beschreibt sati als offen-rezeptives Gegenwärtigsein, das Informationen vollständig aufnimmt, ohne einzugreifen: ein waches Beobachten der inneren und äusseren Auswirkungen dessen, was gerade geschieht. Diese Qualität führt bei ernsthafter Praxis zur Einsicht in anattā, das Nicht-Selbst. Diese Einsicht erschüttert das Selbstkonzept, auf dem neoliberale Selbstoptimierungsideologie gründet. Die Praxis, wirklich betrieben, unterläuft die Achtsamkeitsideologie von innen. Die präziseste Kritik an der Kommerzialisierung wäre daher nicht «Achtsamkeit macht politisch passiv», sondern: «Was als Achtsamkeit verkauft wird, hat mit der Praxis, die diesen Namen verdient, nichts zu tun.» Das wäre scharf, gut belegt und würde der Tradition gerecht. Aber diese Kritik erfordert, sich mit der Praxis auseinanderzusetzen. Genau das verweigert Fischer. Damit diskreditiert sie etwas unglaublich Wertvolles und Hilfreiches.

Das Grundproblem: Warum ausgerechnet Achtsamkeit?

Ganz zufällig trifft es die Achtsamkeit nicht: Fischer deutet selbst einen Ansatz an, warum ausgerechnet Achtsamkeit: Sie ist kein allgemeines Phänomen, sondern ein Klassenmarker der gebildeten Mittelklasse. Joggen sei kulturell neutral; Achtsamkeit hingegen kulturelles Kapital, Statusausweis, Zeichen einer bestimmten Lebensführung. Damit habe Achtsamkeit eine spezifische ideologische Funktion, die Joggen nicht hat: Sie neutralisiere politische Energie genau in jener Schicht, die am ehesten die Ressourcen hätte, strukturellen Wandel anzustossen.

Ja, aber für mich macht sich die (zu Recht) kritisierte Ideologie schon nicht nur an Achtsamkeit fest. Zudem erscheint das Argument nicht in Fischers systematischer Ideologieanalyse, sondern beiläufig im Ressentiment-Kapitel. Als Begründung für den Titel trägt er das Buch nicht – und an der Grundspannung ändert er nichts: Wer nur die Funktion untersucht, müsste sein Argument gegen alle funktional äquivalenten Praktiken der Mittelklasse richten, nicht nur gegen Achtsamkeit.

In einem Gespräch in ihrem Podcast sagt Fischer dazu explizit: «Mich interessiert die Funktion. Was echt und unecht ist, interessiert mich nicht.» Gut. Aber wenn der Gegenstand wirklich nur die Funktion ist, dann müsste das Buch heissen: Individualisiert geht die Welt zugrunde oder Selbstoptimiert geht die Welt zugrunde. Der Titel Achtsam geht die Welt zugrunde beansprucht eine Spezifizität, die die Funktionsanalyse nicht liefert.

Das zeigt sich am schärfsten an Fischers eigenem Analyserahmen. Sie folgt dem Soziologen Jacob Schmidt und unterscheidet vier Formen von Achtsamkeit: vom zehntägigen Vipassana-Schweigekurs bis zur Baumarkt-Buddhastatue. Diese Kategorisierung wird einer 2500-jährigen Tradition nicht gerecht. Dann gibt es sechs «Glaubenssätze» der Achtsamkeitsideologie: Individualisierung gesellschaftlicher Probleme, Verlagerung auf existenzielle Ebene, Wahrnehmungsverschiebung statt Verhältnisveränderung, Resilienz als Anpassungsideal, gestische Subversion, Ausweitung in die öffentliche Sphäre. Sie sind allesamt treffend beobachtet. Nur: Sie beschreiben fast ausschliesslich, was Schmidt Achtsamkeit III und IV nennt: die App, den Unternehmenskurs, den Wellness-Lifestyle, die Baumarkt-Buddhastatue. Auf die strenge Vipassana-Praxis – täglich zehn Stunden Meditation, kein Verkauf, kein App-Abo, kein Heilsversprechen – trifft keiner davon in der Form zu, die Fischer beschreibt.

Ein Beispiel: Glaubenssatz drei wirft der Achtsamkeit vor, Wahrnehmung zu verschieben statt Verhältnisse zu verändern – und damit Passivität gegenüber Unrecht zu erzeugen. Aber selbst in Jon Kabat-Zinns Konzeption ist das nicht angelegt. Was dort als Akzeptanz gemeint ist, folgt dem Prinzip des Circle of Influence: Verändere, was du verändern kannst; wo Veränderung nicht möglich ist, arbeite an der eigenen Reaktion. Das ist keine Ideologie der Unterwerfung, sondern pragmatische Energie-Ökonomie. Ob Fischer das missversteht oder bewusst pauschaliert, lässt sich dem Text nicht entnehmen.

Vieles, was Fischer beschreibt, hat in der Meditationsgemeinschaft übrigens seit Jahrzehnten einen Namen: Spiritual Bypassing – spirituelle Praxis als Mittel, persönlichen und strukturellen Problemen auszuweichen statt zu begegnen. Die Kritik ist also nicht neu; sie wird von innen geführt, und sie gilt quer durch Traditionen. Das ist kein Einwand gegen Fischer, aber ein Hinweis darauf, wen sie eigentlich angreifen müsste.

Fischer hat eine reale ideologische Formation präzise analysiert. Aber diese Formation ist nicht Achtsamkeit. Sie ist der kommerzialisierte Wellness-Komplex, der Achtsamkeitssprache verwendet – und der mit laut Fischer 10 Milliarden Dollar gemessen an der gesamten Wellness-Industrie (rund 5’600 Milliarden Dollar jährlich) einen Bruchteil ausmacht. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Und sie fehlt im Titel.

Für die Kausalbehauptung des Untertitels stützt Fischer sich auf Mark Fishers Begriff des «kapitalistischen Realismus»: Ideologie, die alternatives Denken nicht bloss verdeckt, sondern aktiv verhindert. Das ist ein ernstzunehmendes theoretisches Argument, aber kein empirischer Nachweis.

Und weil «Achtsamkeit» nie präzise definiert wird, lässt sich die These auch nicht widerlegen: Wer ein Gegenbeispiel nennt, etwa einen Meditierenden, der politisch aktiv ist, kann immer mit «das meine ich nicht» abgewehrt werden. Eine These, die ohne Belege auskommt und deren Schlüsselbegriff so weit gefasst ist, dass Gegenbeispiele immer umdefiniert werden können, ist mehr Behauptung als Analyse.

Zwei Beispiele für dasselbe Muster

Wie Fischer liest, zeigt sich an zwei konkreten Beispielen.

S.N. Goenka: «The cause always lies within.» Fischer liest das als Beleg für neoliberale Selbstverantwortungsideologie. Das Individuum, nicht die Strukturen, ist für sein Leid verantwortlich. Wer die Goenka-Tradition kennt, weiss: Die Aussage bezieht sich auf sankhārā, reaktive Geistesformationen, die Leiden perpetuieren. Es ist eine soteriologische Aussage über die Struktur des Bewusstseins, keine Aussage über Armut oder Kapitalismus. Fischer liest einen buddhistischen Begriff durch ein neoliberales Deutungsraster und erhält als Ergebnis: neoliberale Ideologie.

Zweites Beispiel: die Deutsche Bahn. Fischer zitiert einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der Achtsamkeitstechniken zum Umgang mit Zugverspätungen empfiehlt, Tools wie Neubewertung, Akzeptanz, produktive Nutzung der Wartezeit. Sie liest das als Beleg für Glaubenssatz drei: Wahrnehmungsveränderung statt Verhältnisveränderung. Auch hier stimmt die Diagnose im Prinzip. Aber ein Zeitungsartikel über Frustrationsbewältigung ist keine Achtsamkeitspraxis. Sich den Tag wegen eines verspäteten Zuges nicht verderben lassen heisst nicht, sich nicht auch politisch für mehr Budget für die Bahn einzusetzen. Fischer rechnet den Artikel trotzdem zur «Achtsamkeitsideologie», wohl weil er die Funktion erfüllt, die sie sucht. Das Muster ist dasselbe wie bei Goenka: Die Lektüre beginnt mit der These und findet sie überall.

Was Fischer historisch fehlt

Fischers historische Analyse ist breit und wertvoll: Sie reicht in die Nachkriegszeit, diskutiert Keynesianismus, die Adenauer-Ära, den Aufstieg des Finanzkapitalismus und die Wurzeln neoliberaler Netzwerke in den 1930er Jahren. Sie fragt auch, warum Achtsamkeit in westlichen Gesellschaften so gut verfängt, und gibt eine Antwort: Der Neoliberalismus verschiebt Verantwortung aufs Individuum, Achtsamkeit liefert das passende Bewältigungstool. Das ist kohärent. Aber es erklärt das «Wann» und das «Wie», nicht das «Warum hier». Warum stösst das Modell individueller Selbstverantwortung in westlichen Gesellschaften auf so wenig kulturellen Widerstand? Warum gilt es als selbstverständlich, nicht als Import?

Für diese Frage reicht politische Ökonomie nicht. Die Antwort liegt meines Erachtens tiefer. Die ideengeschichtliche Wurzel des westlichen Prinzips individueller Verantwortung liegt nicht in Asien und nicht im 20. Jahrhundert, sondern in der Reformation. Der protestantische Individualismus, Heil als persönliche Leistung, die Innerlichkeit als privilegierter Ort der Gottesbeziehung, der Glaube als individuelle Rechenschaft vor Gott, hat das Verhältnis zwischen Selbst und Welt in westlichen Gesellschaften fundamental umstrukturiert. Kollektiv-liturgische Heilsvermittlung wich der persönlichen Gewissensprüfung. Der Liberalismus erbt und säkularisiert dieses Prinzip: Jeder ist primär für sich selbst verantwortlich, jeder trägt sein Schicksal in den eigenen Händen. Max Weber hat in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus gezeigt, wie diese Struktur in die kapitalistische Wirtschaftsethik übergeht: Selbstdisziplin, Selbstverantwortung, innerweltliche Bewährung als Zeichen der Erwählung.

Wie sehr auch Fischer – vermutlich ohne es zu merken – diese protestantische Ethik verinnerlicht hat, zeigt ein weiteres Beispiel: Sie zitiert Rutger Bregman zustimmend, wie dieser Matthieu Ricard, dem berühmten westlich-tibetischen Mönch und nach MRI-Scans als glücklichsten Menschen der Welt bezeichnet, vorwirft, Jahre in Meditation verbracht und nichts geleistet zu haben. Ist dies nicht genau die protestantische Leistungsethik, oder eben dann die neoliberale Ausprägung davon, dass man ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein hat?

Der Neoliberalismus ab den 1980er Jahren intensiviert diese Tiefenstruktur: Der Staat zieht sich zurück, das Individuum soll regulieren, was früher kollektiv getragen wurde. Auf diesem Boden wird buddhistische Praxis vereinnahmt. Achtsamkeit, die aus einer Tradition stammt, die dem Selbst diametral entgegensteht (anattā, Nicht-Selbst), wird in ein Selbstoptimierungstool verwandelt. Das ist keine organische Entwicklung des Buddhismus. Es ist eine Vereinnahmung durch eine Kultur, die bereits eine passende Tiefenstruktur mitbringt.

Was Fischer «Achtsamkeitsideologie» nennt, ist das Ergebnis dieser Vereinnahmung. Ihre Kritik trifft real etwas. Aber sie trifft nicht die Praxis, sondern deren Entstellung. Und diese Entstellung ist kein Achtsamkeits-Problem, sie ist ein neoliberales Problem. Achtsamkeitsideologie ist das Symptom, nicht der Erreger.

Fazit: Eine Kritik an neoliberaler Vereinnahmung, nicht an Achtsamkeit

Das alles klingt vernichtender, als es gemeint ist.

Fischers Grunddiagnose stimme ich zu: Erschöpfung hat strukturelle Ursachen, und es ist ein Problem, wenn eine Gesellschaft auf strukturelle Probleme mit individueller Selbstregulierung antwortet. Ihre Kapitalismus-Kritik ist das stärkste des Buches: Sie belegt überzeugend, wie Finanzkapitalismus und Deregulierung gesellschaftliche Ohnmacht erzeugen. Ihr Begriff der «gestischen Subversion», kapitalismuskritische Botschaften auf Yogakleidung als Ersatz für realen Widerstand, trifft eine wirklich existierende Praxis. Ihr Ressentiment-Kapitel, in dem sie liberale Mittelklasse-Achtsamkeit und rechtspopulistische Wut als zwei Reaktionen auf dieselbe Ohnmachtserfahrung liest, ist eine soziologisch interessante These. Sie kommt dann zum Schluss: «Achtsamkeit ist eine private Praxis. Im Privaten hat sie ihren Platz.»

Für Leserinnen und Leser, die Headspace nutzen und sich dabei vage schuldig fühlen, ist das Buch ein nützlicher Augenöffner. Fischer benennt etwas, das viele fühlen, aber nicht in Worte fassen konnten.

Und trotzdem: Fischers Behauptung, wer Achtsamkeit praktiziere, verhindere gesellschaftlichen Wandel, ist empirisch unbelegt. Belastbare Studien, die zeigen, dass regelmässig Meditierende politisch passiver sind als Nicht-Meditierende, existieren nicht. Es könnte sogar das Gegenteil der Fall sein. Samma sati, rechte Achtsamkeit, ist nur eines von acht Elementen des buddhistischen Pfades. Ethisches Handeln steht im gleichen Rang: rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Absicht. Ein Praktizierender, der diesen Pfad ernsthaft geht, ist strukturell zur ethischen Auseinandersetzung mit seinem Tun in der Welt verpflichtet. Die kommerzialisierte Achtsamkeit hat diesen Zusammenhang gekappt. Fischers Buch bestraft die Praxis für das Versagen der Industrie. Man könnte es auch kürzer sagen: Den Sack schlagen und den Esel meinen. Wer wirklich meditiert, sitzt nicht still und schaut weg. Er sitzt still, schaut hin und handelt.

Für Menschen mit ernsthafter Praxis ist das Buch deshalb schwierig: Es kritisiert etwas Reales, aber mit einem Instrument, das zu unscharf ist, um zwischen Ziel und Kollateralschaden zu unterscheiden. Die Achtsamkeitsindustrie verdient eine präzisere Gegendarstellung. Kathrin Fischer hat eine Halbheit geliefert, die gut klingt und zu schnell überzeugt.

Kathrin Fischer, Achtsam geht die Welt zugrunde. Wie die Ideologie der Achtsamkeit gesellschaftlichen Wandel blockiert.München: hanserblau, 2026. 252 Seiten.